„Geben Sie mir die kleinen Bethmännchen her!“

Marzipangefülltes Gebäck ist typisch für den Frankfurter Weihnachtsmarkt

14.12.2010 - Mit dem traditionsreichen Frankfurter Weihnachtsmarkt neigt sich das Jahr 2010 in der hessischen Metropole dem Ende entgegen. Bis zum 22. Dezember können Jung und Alt noch zwischen den Buden auf dem Römerberg und vor der Paulskirche bummeln und seine besondere Atmosphäre genießen.

Zum Markt, einer der bedeutendsten und schönsten in Deutschland, gehört nicht nur der riesige Weihnachtsbaum sondern auch das Glockenspiel der Alten Nikolaikirche, das dreimal täglich erklingt. Vor der malerischen Kulisse des Römers und der Fachwerkhäuser bieten weihnachtlich geschmückte Marktstände kulinarische Spezialitäten und jahreszeitliche Marktwaren an. Neben Glühwein, Bratwurst, Maronen, Lebkuchen und gebrannten Mandeln sind auch die „Bethmännchen“, eine Frankfurter Spezialität, im Angebot.

Zudem offerieren die Verkaufsstände unter anderem Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge, Nussknacker, Kerzen, Marionetten, Blechspielzeug und Christbaumschmuck. Der Weihnachtsmarkt findet auch am Mainkai, auf dem Paulsplatz, entlang der Kräme bis hin zur Zeil statt. Bis zum letzten Tag des Weihnachtsmarktes gibt es ein Begleitprogramm mit Adventskonzerten, Turmblasen von der Nikolaikirche und dem Frankfurter Stadtgeläut am Heiligabend von 17 bis 17.30 Uhr.

1393 erstmals urkundlich erwähnt

Bis zurück zum Jahre 1393 lässt sich urkundlich belegen, dass in Frankfurt am Main an Weihnachten Märkte abgehalten wurden. Einen Höhepunkt der geschichtlichen Entwicklung des Weihnachtsmarktes bildet das Jahr 1498. Damals wurde die Hochzeit des Landgrafen Wilhelm von Hessen mit der Tochter des Kurfürsten von der Pfalz gefeiert. Die Chronik berichtet von 1.000 Pferden, mit denen der Kurfürst nebst Gefolge und seinen Gästen in Frankfurt am Main eingeritten ist.

Dem damaligen „Christkindchesmarkt“ fehlte noch das wesentliche Symbol des heutigen Weihnachtsmarktes, der Weihnachtsbaum. Er bürgerte sich erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein. Nur die Sachsenhäuser Händler durften damals in der Römerhalle die besten Bäume feilbieten. Im Laufe der Zeit verlagerte sich dieser Verkauf vor den Römer.

„Stoffbobbe“ und hölzerne Schaukelpferde

Der „Christkindchesmarkt“ war früher eine reine Frankfurter Angelegenheit, kein Fremder wurde zugelassen. Die Händler offerierten beste bodenständige Handwerksware, daneben Spielsachen, Süßigkeiten und weihnachtliche Geschenke. Zu den Spielsachen zählten vor allem einfache Holzwägelchen und „Stoffbobbe“ oder hölzerne Stecken- und Schaukelpferde. Bis in die siebziger und achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts kauften Eltern das Spielzeug für ihre Kinder ausschließlich auf dem Weihnachtsmarkt.

Bis gegen Beginn des zweiten Weltkrieges herrschte in Frankfurt am Main ein seltsamer und sonst nirgendwo bekannter Brauch in der Vorweihnachtszeit, der als „Brauch der Nikolausriesen“ bezeichnet werden kann. Für die Herstellung dieser bis zu zwei Meter hohen Figuren aus Lebkuchenteig sammelten Schüler der höheren und privaten Schulen Geld und trugen das mit Zucker bemalte Gebilde zu ihrem Lehrer. Das Geschenk verspeiste man anschließend gemeinsam.

Stammt Bezeichnung von Napoleon?

„Brenten“, „Bethmännchen“ und „Quetschemännchen“ können als typisch frankfurterische Backwaren auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurückblicken. In früheren Zeiten wurden sie in den Bürgerhäusern der Stadt in großen Mengen hergestellt. Einer der größten Verehrer Alt-Frankfurter Weihnachts-Knabbereien war Johann Wolfgang von Goethe, der auch als Geheimer Rat im fernen Weimar alljährlich zum Fest von seiner Mutter ein Paket mit „Bethmännchen“ erhielt. Woher das marzipangefüllte Gebäck seinen Namen hat, lässt sich nicht restlos klären. Eine Überlieferung macht Napoleon dafür verantwortlich, der bei einem Aufenthalt im Hause des Bankiers Bethmann in Frankfurt gesagt haben soll: „Geben Sie mir doch noch einmal die kleinen Bethmännchen her!“



Weihnachtsmärkte

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