Die Geschichte des Wiener Christkindlmarktes

Albrecht II. erlaubte 1294 den Wienern, einen „Dezembermarkt“ abzuhalten

16.12.2008 - Flankiert von der neugotischen Fassade des Rathauses und der neoklassizistischen Front des Burgtheaters breitet sich auf dem Rathausplatz der Wiener Christkindlmarkt aus. Die Anziehungskraft des kleinen Städtchens wächst von Jahr zu Jahr, längst gehört der Markt den Wienern nicht mehr allein. Etwa drei Millionen Menschen jährlich werden während der sechswöchigen Marktdauer gezählt - davon kommen rund eine halbe Million nicht aus Österreich.

Seit 1975 wird alljährlich in der Adventszeit der Christkindlmarkt auf dem Rathausplatz gehalten, der Markt selbst zählt bereits über 700 Jahre. Albrecht II. erteilte bereits 1294 den Wienern die Erlaubnis einen „Dezembermarkt“ abzuhalten, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Im 16. Jahrhundert wurde der heutige Christkindlmarkt unter dem Namen „Thomasmarkt“ als Markt zur Weihnachts- und Neujahrszeit abgehalten.

Neben dem üblichen Warenangebot der Händler wie Textilien oder Lebensmittel kamen auch die Lebzelter- und Zuckerbäckerwaren zum Verkauf. Als „Nikolo- und Weihnachtsmarkt“ oder „Krippenmarkt“ war er im 18. Jahrhundert in aller Munde. Seit Jahrhunderten sind auf diesem Markt die Marktkaufleute als Kleinstgewerbetreibende tätig. Auch in schlechten Zeiten waren sie immer bemüht, ein großes Warensortiment herbeizuschaffen und für den Kunden feilzuhalten.

Erst ab 1814 wurde beschert

Ein Weihnachtsfest wie es heute gefeiert wird kam in Wien in der Biedermeierzeit auf, als in den Palais des vornehmen Adels die ersten Weihnachtsbäume nach norddeutscher Sitte aufgestellt wurden. Erst zur Zeit des Wiener Kongresses um 1814 wurde die Sitte mit Bescherung von Geschenken eingeführt. Zu dieser Zeit befand sich der Christkindlmarkt Am Hof und wurde wie ein allgemeiner Markt abgehalten, zuzüglich einiger weniger Verkaufstische und -stände, an denen vorweihnachtliche Waren angeboten wurden (Rauschgoldengel, versilberte Nüsse, Kugelschnüre, Lametta, Kerzen, Beuteltaschen, Spiegel, Messer, Textilien und vieles mehr), wie aus Verkaufsrechnungen aus jener Zeit ersichtlich ist.

Heute sind es freilich nicht mehr die Gebrauchsgegenstände des alltäglichen Lebens, die das Interesse der Besucher wecken. Holzspielzeug, Christbaumschmuck, bunte Glaskugeln, Bienenwachskerzen in allen Größen, Krippenfiguren oder Lederwaren wecken das Interesse der Besucher.

„Langos“ und „Vanillekipferln“

Dazu offerieren die Händler ein breites Sortiment an kulinarischen Köstlichkeiten, es reicht von Hot Dogs, Bratwürsten, Kartoffelpuffern oder „Vanillekipferln“ bis zu den „Langos“, jenem aus Ungarn stammenden Hefegebäck, das frisch frittiert mit Knoblauchbutter gereicht wird. Glühwein, Rotweinpunsch oder „Jagatee“ sorgen für die nötige Wärme von innen heraus, wenn die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen und Schneegestöber die Stadt in ein diffuses Licht taucht.

Während die Eltern die Imbiss-Stände als kommunikativen Mittelpunkt erkoren haben, können ihre Sprösslinge in der Volkshalle unter fachmännischer Anleitung backen, malen, Holz bearbeiten oder Weihnachtsgeschenke basteln. In den Arkadengängen des Rathauses steht eine Sonderschau mit Krippen.