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Russland: Der Samowar - ein Geschenk zum Jahreswechsel

Denkt man an den Samowar, dann denkt man an Russland, an klirrend kalte Winter, an gemütlich warme Stuben, an dampfend heißen Tee!

Seit alters her wird behauptet, sogar noch heute, dass der Samowar eine Erfindung aus der Zeit sei, als Tee aus der Mongolei importiert wurde, zunächst als medizinischer Trank für die Edelleute im 17. Jahrhundert. Aber Ausgrabungen im Jahre 2000 v. Chr. bei der Stadt Shaki in Aserbeidschan unterstützen die These, dass es schon vor mehr als 3.600 Jahren ähnliche Gefäße in Kaukasien gab, die mit Holzkohle befeuert wurden.

Die ältesten erhaltenen Samoware sahen mehr wie große englische Teeurnen oder Teekannen aus. Aber die Grundfunktionen der Vorrichtung waren mit denen aus moderner Zeit identisch. Alte und gut erhaltene Samoware werden oft zu hohen Preisen gehandelt - falls die Familien sich überhaupt von diesen Erbstücken trennen. Die offensichtlich erste Serienproduktion von Samowaren erfolgte 1778 durch Nasar Lisitsin in Tula, aber leider sind aus dieser Zeit so gut wie keine Stücke erhalten.

In der 600.000 Einwohner zählenden Stadt Tula im Süden von Moskau werden die meisten Samoware dieser Welt gefertigt. Aber auch andere Länder produzieren mittlerweile Samoware, sogar in deutschen Manufakturen werden kleine Stückzahlen gefertigt.

Der Weg vom Eisenklumpen bis zum dampfenden Teekessel ist lang:
Zunächst wird ein runder Hohlkörper aus dem Rohmaterial geformt, in einer zweiten Abteilung vollendet und dann chemisch bearbeitet. Die Teemaschinen aus Tula glitzern zumeist silbrig und sind vernickelt und mit Klarlack überzogen, aber es gibt auch Ausführungen in Edelstahl, lackiertem Kupfer oder sogar in Silber oder vergoldet. Viele Samoware werden von Künstlerhand bemalt.

"Ein typisches und beliebtes Neujahrsgeschenk sind Samoware mit hübschen Abbildungen, wie etwa einer Trojka oder Schneeflocken", erzählt Tatjana Gajdukowa, die im fabrikeigenen Laden die bekannten Souvenirs verkauft. Doch auch der individuelle Geschmack kommt nicht zu kurz: "Vor allem Öl- und Schokoladenfabriken bestellen Samoware mit ihrem Firmenlogo", so Verkaufschef Starostin.

Der kleinste Teezubereiter reicht mit 250 Milliliter Inhalt gerade mal für eine Tasse Heißgetränk, während der größte mit 45 Litern ganze Restaurants versorgen kann. Monatlich gehen 40 Riesensamoware für rund 2500 Mark das Stück über den Ladentisch. Doch die modernen Wasserkocher haben der traditionellen Teemaschine den Kampf angesagt: "Früher stellten wir 6000 Samoware am Tag her, heute pro Monat gerade mal 5000", beklagt Starostin. Die gesunkene Nachfrage zwischen Smolensk und Wladiwostok soll mit Exporten ausgeglichen werden: "Die arabischen Länder, Jemen und Syrien, sind Hauptabnehmer, gefolgt von China", so Starosin.

Doch 80 Prozent der hergestellten Samoware bleiben im eigenen Land. Denn nur hier im frostig-verschneiten Russland erfüllen sie ihre wahre Mission.


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