Weihnachten in Europa

Sitten, Riten und Legenden aus allen Erdteilen

Schweiz: Klausjagen in Küssnacht

Böse Geister und Dämonen, das wuþten schon die alten Germanen, fürchten vor allem eins: Heidenlärm. Deshalb zogen die Jünger Wotans während der Wintersonnenwende mit viel Tam-Tam umher, schlugen Trommeln und bliesen Hörner, was die Lungen hergaben: damit der Winter bald verschwinden und der Sommer reiche Ernte bringen möge. Ein Brauch, der so ähnlich n der Schweiz noch heute existiert, z. B. in Küssnacht, wo alljährlich am 5. Dezember zum "Klausjagen" geblasen wird.

Das heidnische Treiben wäre wohl längst in Vergessenheit geraten, wenn darin nicht irgendwann auch dem Bischof von Myra, dem Heiligen Nikolaus, eine Rolle zugewiesen worden wäre. Heute ist das Klausjagen in dem romantischen Ort in der Zentralschweiz eine Touristenattraktion ersten Grades. Zigtausende aus dem ganzen Land pilgern nach Küssnacht, um die rund 1500 Teilnehmer des Umzuges in ihren teilweise furchterregenden Kostümen zu bewundern. Besonders die leuchtenden Bischofshüte (Infuln), die in der Dunkelheit auf den Schultern der Umzugsteilnehmer zu tanzen scheinen, ziehen die Blicke der Besucher an.

Dabei war das Klausjagen nicht immer unumstritten. 1732 befanden die Ratsherren Küssnachts, dass der Lärm überhand nehme und drohten: "Wegen den Buben, die durch ihr Hornblasen und Tricheln nächtlicher Zeit die Leute so beunruhigen, ist erkannt, dass bei einem Pfund Busse sie solches nicht mehr tun sollten..." In jenen Tagen gehörte Klausjagen keineswegs zum guten Ton.

Das änderte sich erst, als 1928 die St. Nikolausengesellschaft gegründet wurde, mit dem Ziel das Klausjagen zu erhalten und in Bahnen zu lenken, die einem Weihnachtsbrauch gerecht würden. So waren zum Beispiel fortan nur noch traditionelle Lärminstrumente zugelassen. Neumodisches wie Blechbüchsen und mit Steinen gefüllte Benzinkanister traf der Bannstrahl der organisierten Klausjäger.

Inzwischen zählt der Verein, dem nur Männer beitreten dürfen, 1600 Mitglieder. Und damit der Heidenlärm, den sie alle Jahre wieder veranstalten, einen christlichen Zweck erfüllt, sammeln sie zum Klausjagen für karitative Zwecke.


Weihnachtsmärkte

Wir haben sie! Die Termine der wichtigsten Weihnachtsmärkte rund um den Globus: