Über 400 Jahre Weihnachtstradition

Im 18. Jahrhundert schon über 400 Aussteller am

Die Geschichte des Nürnberger Christkindles-marktes lässt sich bis in die Mitte des 16. Jahr-hunderts zurückverfolgen. Historiker nennen derzeit jedoch das Jahr 1628 als ersten Nachweis des Marktes, da es aus diesem Jahr ein eindeutiges Zeugnis gibt: Auf dem Boden einer mit Blumen bemalten Spanschachtel aus Nadelholz wurde folgende Inschrift gefunden: "Regina Susanna Harßdörfferin von der Jungfrau Susanna Eleonora Erbsin (oder Elbsin) zum Kindles-Marck überschickt 1628."

Aus dem Jahr 1737 existiert eine Liste mit Hinweisen auf die Marktbeschicker. Sie zeigt, dass fast alle Nürnberger Handwerker in der Budenstadt vertreten waren. 140 Personen boten ihre Waren feil. Im Jahr 2000 standen auf dem Christkindlesmarkt 190 Verkaufsstände, die von 200 Marktbeschickern betrieben werden.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts verlor der Markt vorübergehend an Bedeutung. 1933 verlieh man ihm ein neues Zermoniell, bei dem ein "Rauschgoldengel" von der Empore der Frauenkirche einen Prolog spricht, eine verklärend romantische Note. Nicht zuletzt Dank dieser Symbolfigur gilt der Nürnberger Christkindlesmarkt heute als der vielleicht berühmteste Weihnachtsmarkt der Welt, den jährlich bis zu zwei Millionen Menschen aus allen Erdteilen besuchen.

Die Chronik

Nachfolgende Chronik gibt einen Überblick über die bewegte Geschichte des Nürnberger Christkindlesmarktes.

1545 Der Reformator Martin Luther läßt seine Kinder vom "Heiligen Christkind" bescheren. Sie hatten zuvor ihre Gaben vom Heiligen Nikolaus bekommen.

1564 Der Nürnberger Patrizier Endres Imhoff trägt unter dem Datum vom 22. Dezember Ausgaben für Geschenke ein, die er noch ein Jahr zuvor erst nach Weihnachten gemacht hat. Solche Mitteilungen legen die Vermutung nahe, daß das Nürnberger Patriziat ab 1564 an Weihnachten statt Neujahr beschert.

1610 Mit einem Ratserlaß vom 22. Dezember werden unzüchtige Scherzartikel beschlagnahmt, die ein Drechsler zum "Kindleinsbescheren" angeboten hatte.

1616 In der Chronik von St. Sebald beklagt Pfarrer Lüder am Heiligen Abend, daß er die Vesper_ oder Nachmittagspredigt ausfallen lassen mußte, weil "wegen Einkaufens zum Kindleinsbescheren keine Leut vorhanden gwest".

1628 Eine alte, mit Seidensträngen gefüllte Spanschachtel, die im Germanischen Nationalmuseum aufbewahrt wird, trägt auf dem Boden folgende Inschrift: "Regina Susanna Harßdörfferin von der Jungfrau Susann Eleonora Erbsin (oder Elbsin) zum Kindlesmarck überschickt 1628". Es handelt sich dabei um die derzeit älteste bekannte Erwähnung des Nürnberger Christkindlesmarktes.

1697 Der Altdorfer Universitätsprofessor Christoph Wagenseil nennt in der zweiten, lateinisch gedruckten Stadtgeschichte "De ... civitate Norimbergensis commentatio..." den Christkindlesmarkt. Er bezeichnet ihn als "Christkeindleinsmarck".

1729 Der Rat lehnt den Vorschlag eines Goldschmieds ab, eine Lotterie auf dem Markt zu veranstalten. Damit sollte dem Niedergang dieser Messe zur Weihnachtszeit entgegen gesteuert werden.

1737 Eine Liste gibt wertvolle Hinweise auf die Marktbeschicker. Sie zeigt, daß fast alle Nürnberger Handwerke in der Budenstadt vertreten sind. 140 Personen waren damals berechtigt, Waren feilzubieten.

1898 Der Christkindlesmarkt muß seinen angestammten Platz auf dem Hauptmarkt verlassen. Er wird auf die Insel Schütt verlegt. 1919: Ein neuer Standort tut sich im Platz vor dem Gewerbemuseum für den Christkindlesmarkt auf.

1923 Der Markt wird weiter verdrängt. Die Händler müssen in die Räume des gerade leer stehenden Verkehrsmuseums umziehen.

1933 Der Christkindlesmarkt kehrt auf seinen angestammten Platz am Hauptmarkt zurück. Er wird am 4. Dezember mit einem neuen Zeremoniell eröffnet. Ein Nürnberger Rauschgoldengel spricht einen Prolog, Kinderchöre singen, Kirchenglocken läuten.

1948 In der zerstörten Altstadt wird der erste Markt nach dem Krieg abgehalten. Das Eröffnungszeremoniell bleibt fast unverändert, nur spricht das Christkind statt des Rauschgoldengels den Prolog.

1973 Der Stadtrat beschließt, die Eröffnung des Christkindlesmarktes von 4. Dezember (Barbaratag) auf den letzten Freitag vor dem 1. Advent vorzuverlegen. Er will damit erreichen, daß sich der Besucherstrom besser verteilt. Die Zahl der Gäste in der Budenstadt hatte die Rekordmarke von einer Million Menschen überschritten.



Weihnachtsmärkte

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