Pelzmartiga, Trycheln und Achetringele

Silvesterbräuche: In der Schweiz knallen zum Jahreswechsel nicht nur die Korken

Umzüge mit Symbolfiguren, Trommeln, Schellen und Peitschenknallen – so endet das alte Jahr traditionell in der Schweiz. Das „Achetringele“ steht in Laupen, das Silvesterklausen im Appenzell auf dem Programm und in Kandersteg sorgen die Pelzmartiga für Aufsehen unter Gästen und Einheimischen. Denn nach altem Brauchtum sollen die Pelzmartiga in der Nacht zum Jahreswechsel böse Geister und Dämonen abwehren.

In Kandersteg sorgen die Pelzmartiga an Weihnachten und am Neujahrstag vom Mittag bis in die späten Abendstunden für Schrecken. In Felle gekleidete große Gestalten, die an die Bedrohung durch Wolf und Bär erinnern und auf die sich die Bezeichnung „Pelzmartiga“ bezieht, und weitere Symbolfiguren ziehen mit wildem Gehabe und lärmend durch das Dorf. Denn nicht nur durch Bär oder Wolf waren die Talbewohner bedroht, sondern auch durch andere Gefahren wie Krankheiten, Wassernot, Hunger, Armut und Krieg.

So müssen Touristen und Einheimische auch dem „Chindlifrässer“ gegenübertreten, der eine Maske mit weit aufgerissenem Mund und bedrohlichen Zähnen trägt und aus dessen Tornister die Beine eines Kindes ragen. Er steht für Hungersnöte und Krankheiten. Der „Blätzlibueb“, gehüllt in ein Lumpengewand, hält vor Augen, dass Zeiten bitterer Armut im Dorf gar nicht so weit zurückliegen. Das „Huttefroueli“ trägt in seinem Rückenkorb seinen kriegsversehrten Mann. Das erinnert an kriegerische Ereignisse im Tal.

Von bösen Mächten freikaufen

Dazu gesellen sich noch weitere Figuren wie der Spielkartenmann oder der Leierkastenmann „Lyrimaa“, bei dem man sich durch eine kleine Geldgabe von bösen Mächten freikaufen kann. Das „Heri“, ein Herr im Frack, Zylinder und weißen Handschuhen, hält mit seiner Peitsche die wilde Bande zusammen.

„Archetringele“ heißt der Silvesterbrauch in Laupen (Schweizer Mittelland). Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts lässt sich dieser Brauch geschichtlich zurückverfolgen. Drei verschiedene Gestalten ziehen lärmend durch das Dorf und vertreiben das Böse: die „Achetringeler“, die große Treicheln (Glocken) schütteln, „Bäsemanne“ (Besenmänner), die lange mit Wacholderzweigen geschmückte Stangen tragen, und „Blaateremannli“ (Blasenmännchen) mit luftgefüllten Schweinsblasen. Auf den Dorfplätzen machen sie halt, verabschieden in Reimen das alte Jahr und begrüßen das neue. Der Ursprung des Achetringele, was so viel bedeutet wie „hinunterschellen“, liegt vermutlich in der germanischen Wintersonnwende.

Zweimal Silvester

Da die Appenzeller Hinterländer lange den Gregorianischen Kalender nicht annehmen wollten, feiern sie heute den Jahreswechsel gleich zweimal: am 31. Dezember und am 13. Januar. Im Mittelpunkt stehen bei den Feierlichkeiten die Silvesterkläuse. Sie tragen Trachten, Masken mit riesigen kunstvollen Hüten oder sind in mit Tannenzweigen dekorierte Gewänder gekleidet. Mit lautem Schellengerassel melden sie sich, jodeln mehrstimmig und wünschen den Hausbewohnern Glück zum neuen Jahr. Besonders eindrucksvoll wird dieser Brauch in Urnäsch, Schwellbrunn, Hundwil, Waldstatt und Stein begangen.

In Meiringen, Goldswil und anderen Dörfern des Berner Oberlands ziehen die „Trychler“ (Scheller) eine ganze Woche bis in die frühen Morgenstunden durch die Orte. Dieser Altjahresbrauch beginnt am 26. Dezember um Mitternacht und dauert bis Silvester. Mit lauten rhythmischen Glockenklängen vertreiben die traditionell gekleideten Trychler jeden Abend die bösen Geister.



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