Kein Christbaum ohne Lametta

Das Zentrum der industriellen Fertigung des „Engelshaars“ lag in Nordbayern

Der Weihnachtsbaum ohne Lametta? Undenkbar! Noch vor 30 Jahren gehörten die feinen, silbernen Schmuckfäden aus Aluminium für die Mehrheit der Bundesbürger zum unverzichtbaren Bestandteil des Christbaums. Das Zentrum für die Herstellung des glitzernden Baumschmucks lag dabei in Roth, das in der Nähe der Weihnachtsstadt Nürnberg liegt.

„Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland.“ Nach diesem Spruch schienen früher auch die Menschen in der nordbayerischen Stadt zu verfahren. Die Erzeugnisse aus dem „Leonischen Draht“ waren nämlich bei den Rother Bürgern weniger gefragt, da sie diese Produkte stets mit dem Begriff „Arbeit“ verbanden. Hergestellt wurden die feinen Fäden, oft auch als „Engelshaar“ bezeichnet, in mühevoler Heimarbeit. Neben den Ehefrauen mussten auch die Familienväter und die Kinder bei der Produktion helfen.

„Leonischer“ Draht ist Kupferdraht, der je nach Aufwand verzinkt, versilbert oder vergoldet wird. Seit Ende des 16. Jahrhunderts werden „leonische Drähte“ vor allem in der Gegend in und um Roth hergestellt und verarbeitet. Der Name kommt übrigens von den aus der Stadt Lyon zugewanderten Hugenotten.

Zum ersten Mal taucht der Begriff „Lametten“ in einem Briefwechsel eines Rother Unternehmens auf, Ende des 19. Jahrhunderts wird auf der Kunstausstellung in Nürnberg ein mit „leonischen Drähten“ verziertes Christbäumchen gezeigt und 1885 erklärt der Brockhaus zum ersten Mal das Wort „Lametta“.

Um 1900 wurden immer effektvollere Verzierungen von Nürnberger Großhändlern angeboten, damals expandierte die Rother Christbaumschuck-Industrie und exportierte in alle Welt. Zehn Betriebe produzierten bis in die Fünfziger Jahre. Die “goldenen Zeiten” dieses Industriezweigs lagen in den 30er Jahren, als über 600 Tonnen Lametta jährlich geliefert wurden. Ein Großteil davon ging direkt nach New York. Heute stellen nur noch zwei Firmen, Riffelmacher und Weinberger in Roth und Gilardi in Allersberg, den silbernen Christbaumschmuck her. Damit darf Roth den Titel der „unbekannten Welthauptstadt des Lamettas“ für sich beanspruchen.

Wie die neuesten Forschungen ergaben, gilt die Familie Geiershöfer aus Roth als Erfinder des Lamettas, das auf der Kunstausstellung in Nürnberg erstmals 1876 gezeigt wurde.



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