Die Stadt der Honigkuchen

Schon Fryderyk Chopin schwärmte von Lebkuchen aus Thorn

Weihnachten ist die Zeit der Lebkuchen. Die meisten denken bei diesem beliebten Gebäck zunächst an Nürnberg oder Aachen. Als die „wahre Stadt der Lebkuchen“ sieht sich jedoch das in der polnischen Woiwodschaft Kujawien-Pommern gelegene Toruń (Thorn). In der mittelalterlichen Stadt gibt es sogar ein Lebkuchenmuseum, in dem man selbst backen darf.

Orientalische Gewürze wie Zimt, Kardamom und Nelken sowie der Honig von den umliegenden Feldern an der Weichsel sind nur ein paar der typischen Zutaten, die dem Thorner Lebkuchen seinen einzigartigen Geschmack verleihen. Und das schon seit vielen Jahrhunderten. Die erste offizielle Erwähnung des dortigen Lebkuchenhandwerks datiert bereits aus dem Jahr 1380, vermutlich wurden aber bereits im 13. Jahrhundert dort die ersten Lebkuchen hergestellt.

Wer wissen möchte, wie im Mittelalter Lebkuchen gebacken wurde, sollte im Muzeum Piernika, dem Thorner Lebkuchenmuseum, vorbeischauen. In dem alten gotischen Giebelhaus in der Altstadt duftet es das ganze Jahr über nach frischem Gebäck. Das Museum ist in Europa einzigartig, denn schon seit 500 Jahren wird hier gebacken. Nach einer kurzen Schulung durch den Bäckermeister können kleine und große Besucher ihren eigenen Lebkuchen im traditionellen Stil formen, backen und anschließend in gemütlicher Atmosphäre genießen. Die Zeit des Wartens vor dem Ofen wird mit interessanten Geschichten rund um die Thorner Spezialität überbrückt.

Geräte der „Lebküchler

Um Lebkuchen geht es auch in einer Ausstellung im nahe gelegenen Geburtshaus des berühmten Astronomen Nikolaus Kopernikus. Gezeigt wird dort das Leben der Thorner Bürger im 15. und 16. Jahrhundert. Im Kellergewölbe sind zahlreiche hölzerne Formen und Geräte zu sehen, mit denen die sogenannten „Lebküchler“ ihre Waren herstellten.

Die Lebkuchen sind bis heute ein Wahrzeichen von Toruń. Gulasch mit Lebkuchensoße oder mit Lebkuchenpuder bestäubter Kaffee sind Spezialitäten der Thorner Küche. Das ganze Jahr über sind die Lebkuchen in den Geschäften erhältlich und werden von der hiesigen Firma Kopernik bis nach Israel und in die USA exportiert. Zu deren Sortiment gehören unter anderem die berühmten Katarzynki, die Thorner Kathrinchen. Sie haben ihren Namen von der Heiligen Katharina von Alexandria. In den Klöstern wurde am 25. November, dem Tag der heiligen Katharina, mit der Zubereitung des Lebkuchenteigs begonnen, um rechtzeitig zur Adventszeit fertig zu sein. Die Kathrinchen sind einfache Lebkuchen ohne Füllung.

Baudenkmale zum Reinbeißen

Sehr umfangreich ist in den Kopernik-Läden die Auswahl an Deko-Lebkuchen. Sie zeigen das Panorama von Toruń oder berühmte Persönlichkeiten. Auch das Rathaus, das Kopernikus-Haus, den Artushof und andere Baudenkmale gibt es zum Reinbeißen. Die Serie „Scherzo“ mit Schokoladenherzen erinnert an einen weltberühmten Fan des Thorner Lebkuchens. Der Komponist Fryderyk Chopin hatte als 15-jähriger die Stadt besucht und war so begeistert, dass er sofort einen Brief mit einigen Kostproben des Lebkuchens an einen Freund in Warschau verschickte.

Ein Besuch von Toruń lohnt sich nicht nur wegen der Lebkuchen. Nahezu die komplette mittelalterliche Altstadt ist bis heute erhalten geblieben. Beeindruckende gotische Bauten wie das Rathaus oder die Marienkirche verleihen der Universitätsstadt einen ganz besonderen Charme. Seit 1997 gehört die Thorner Altstadt zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Das Lebkuchenmuseum ist täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr geöffnet (www.muzeumpiernika.pl). Informationen über die Stadt Toruń auf www.it.torun.pl und über die Firma Kopernik unter www.kopernik.com.pl. Toruń liegt im Norden Polens, direkt an der Weichsel.



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