Krippenwege und ein Weihnachtspostamt

Romantische Wege durch das Weihnachts-Wunderland in Franken

Franken, die Region im Norden Bayerns, ist ein „Weihnachts-Wunderland” der besonderen Art. Dazu gehören nicht nur die mehr als 50 stimmungsvollen und traditionsreichen Weihnachtsmärkte, sondern auch liebevoll gestaltete Krippenwege, hochrangige Konzerte in Kirchen und Schlössern sowie besondere Ausstellungen. Franken steht dabei für das echte und unverfälschte Weihnachtsgefühl, für eine Atmosphäre der Beschaulichkeit und inneren Einkehr, die anderswo schon lange abhanden gekommen ist. Denn die uralte Kulturregion schöpft auch in der Adventszeit aus ihrer reichen, manchmal auch märchenhaften Geschichte, welche die Besucher auf ihren vorweihnachtlichen Wegen durch Franken erleben.

„Nussknacker und Mäusekönig“ heißt das berühmte Weihnachtsmärchen des Poeten E.T.A. Hoffmann, der vor genau 200 Jahren nach Bamberg kam, fünf Jahre dort lebte und arbeitete und in der Weltkulturerbe-Stadt derzeit mit einer Fülle von Sonderveranstaltungen gefeiert wird. 1808 hatte Hoffmann seine künstlerische Laufbahn als Musikdirektor und später als Dramaturg am Bamberger Theater aufgenommen, das heute seinen Namen trägt.

Wundersame Geschichten

Und selbstverständlich hat das E.T.A. Hoffmann-Theater zum Jubiläum in der Vorweihnachtszeit auch das romantische Märchen um Marie Stahlbaum, den kleinen Fritz und ihren Paten Zacharias Drosselmeier als Kinderstück (zahlreiche Termine im Dezember) in den Spielplan aufgenommen. Um wundersame Geschichten und träumerische Reisen in die Vergangenheit ist die barocke Traumstadt, die gerade im Winter ein märchenhaftes Kleid anlegt, ohnehin nicht verlegen – zu viel gibt es in der tausendjährigen Kaiser- und Bischofsstadt auf den sieben Hügeln zu entdecken. Da ist zum einen der idyllische Weihnachtsmarkt auf dem Maxplatz (bis 23. Dezember), der neben Lebkuchen, Bratwürsten und Glühwein auch liebevoll bemalte, hölzerne Nussknacker feilbietet. Und da gibt es die bezaubernde Krippenstadt zu entdecken, als die Bamberg sich in diesem Winter schon zum 25. Mal präsentiert.

Oft sind solche Wege in der Vorweihnachtszeit in Franken ein wenig rätselhaft, das Ziel unergründlich und verheißungsvoll. Die wundersame Reise der kleinen Marie Stahlbaum in „Nussknacker und Mäusekönig“ führte geradewegs in die Puppen- und Spielzeugstadt Nürnberg. „Nicht allein, dass Mauern und Türme in den herrlichsten Farben prangten, es war wohl auch, was die Form der Gebäude anlangt, gar nichts Ähnliches auf Erden zu finden“, so hat E.T.A. Hoffmann im Märchen die alte Reichsstadt beschrieben, die schon damals betörend nach „lauter Makronen und überzuckerten Früchten“ duftete. Wer heutzutage den weltberühmten Nürnberger Christkindlesmarkt zu Füßen der Frauenkirche besucht und durch die Budengassen der „kleinen Stadt aus Holz und Tuch“ wandelt, kann sich ihrem märchenhaften Zauber und den wundersamen Düften nicht entziehen.

Beschaulicher Weihnachtsmarkt

„Ihr Kinderlein kommet“ ruft auch das mittelalterliche Städtchen Dinkelsbühl an der Romantischen Straße den kleinen und großen Besuchern zu – mit gutem Grund: Kein Geringerer als der 1768 in Dinkelsbühl geborene Pfarrer und Schriftsteller Christoph Schmid hat das wohl bekannteste deutsche Weihnachtslied dereinst verfasst. Und so begann der beschauliche Weihnachtsmarkt im Innenhof der historischen Spitalanlage (bis 21. Dezember) traditionell mit dem Sternenlichterzug der Kinder am Christoph Schmid-Denkmal.

Wie von Zauberhand entstand auch in der historischen Bayreuther Innenstadt alljährlich eine märchenhafte Budenstadt (bis 23. Dezember), zu Füßen der Spitalkirche durchzieht der Duft von Glühwein und Weihnachtsgebäck die Straßen, die sieben Kilometer lange weihnachtliche Lichterkette schafft ein unvergleichliches Flair, und die Wege auf dem heimeligen Markt – der „Krippenweg“, der „Christkindlesweg“ und die „Sternengasse“ – führen, wie sollte es anders sein, geradewegs zur „Himmelspforte“.

Echt und unverfälscht

In der Bischofsstadt Würzburg, wo seit 1800 ein Weihnachtsmarkt überliefert ist, gehen Tradition und Atmosphäre Hand in Hand. Die historische Kulisse mit der gotischen Marienkapelle und dem barocken Falkenhaus verleiht der adventlichen Szenerie des Marktes (bis 23. Dezember) ein ganz besonderes Flair. In all diesen und vielen weiteren fränkischen Städte-Kostbarkeiten sind die Märkte aus Achtung vor ihrer Historie so geblieben, wie sie immer waren: traditionell, echt und unverfälscht. Und darum führen die Wege durch das fränkische Weihnachts-Wunderland auch immer wieder zurück in die Geschichte der eigenen Kindheit.

Welche Wege ein Brief an das Christkind zurücklegt, um schließlich an sein himmlisches Ziel zu gelangen – diese bange Kinderfrage beantwortet auch in diesem Jahr das Weihnachtspostamt in Himmelstadt. Denn wo anders als in Himmelstadt könnte das Christkind wohnen? Seit 1986 öffnet das Weihnachtspostamt jährlich am 1. Advent seine Pforten. Mehr als 50.000 Briefe von Kindern aus aller Welt werden dann bis zum Heiligabend vom Christkind persönlich beantwortet, und es gibt sogar einen in Sammlerkreisen sehr begehrten Sonderstempel. Die Anschrift lautet schlicht und ergreifend: „An das Christkind, Kirchplatz, 97267 Himmelstadt“. Und Antwort kommt garantiert.

Collagen, Glas und Keramik

Nur ein Katzensprung ist es von Himmelstadt nach Sommerhausen, ebenfalls im Fränkischen Weinland, das für seinen ungewöhnlichen Weihnachtsmarkt bekannt ist. In dem romantischen mittelalterlichen Städtchen am Main dominieren auf dem „etwas anderen Weihnachtsmarkt“ an den vier Adventswochenenden nicht die sonst üblichen Buden, vielmehr bieten Kunsthandwerker und Kunstgewerbler in Häusern, Höfen und Gewölbekellern, verteilt über den ganzen historischen Altort, ihre teils beachtlichen Arbeiten an, und auch in den Galerien stellen namhafte Künstler Bilder, Collagen, Glas und Keramik aus. Da stöbert man in festlich dekorierten Töpfereien und Galerien, bewundert die Schätze der Kunstscheune und fast weiterer fünfzig Kunsthandwerker und Kunstgewerbler - Wachszieher und Keramiker, Schmiede und Weißnäher, Weber und Korbmacher, Kunstmaler und Hutmacher -, die ihre selbst gefertigten Waren feilbieten.

Ganz Ähnliches spielt sich auch in der Pfalzgrafenstadt Forchheim in der Fränkischen Schweiz ab: Dort wird das Rathaus mit seiner wunderschönen Fachwerkfassade aus dem 15. Jahrhundert zur prachtvollen Kulisse für den – nach eigenem Bekunden der Forchheimer – „schönsten Adventskalender der Welt“.

Traum in Weiß

Ein anderer Traum, nämlich ganz in Weiß, geht in Rothenburg ob der Tauber in Erfüllung. Nirgendwo sonst ergibt das Zusammenspiel der Traumkulisse des Mittelalters mit der weißen Pracht des Schnees eine so stimmungsvolle Atmosphäre wie dort zwischen den verwinkelten Gassen und mit dem Duft des typischen weißen Glühweins in der Nase. Märchen und Legenden haben in dieser Szenerie einen guten Nährboden, und wahrhaftig: der Name des „Rothenburger Reiterle“, nach dem der weltberühmte, über 500 Jahre alte „Reiterlesmarkt“ (bis 23. Dezember) benannt ist, hat seinen Ursprung in der germanischen Sagenwelt. Das „Reiterle“ ist die menschliche Darstellung des germanischen Gottes Wotan, der zur düsteren Jahreszeit an die Türen klopfte, um Einlass und milde Gaben zu begehren und diese Gaben dann an die Armen zu verteilen. Das machte ihn zu einer gerne gesehenen Gestalt, die noch heute auf allen Wegen auf dem berühmten Weihnachtsmarkt leibhaftig anzutreffen ist.



Weihnachtsmärkte

Wir haben sie! Die Termine der wichtigsten Weihnachtsmärkte rund um den Globus: